Warum ein Umzug dir zeigt, wie viel du wirklich besitzt
Gestern habe ich zwei Freundinnen beim Umzug unterstützt. Stundenlang wurden Kartons getragen, Möbel verladen, Transporter aus- und wieder eingeräumt.
Und irgendwann kam mir ein Gedanke, den wahrscheinlich viele Menschen schon einmal hatten:
Erst wenn man alles tragen muss, wird einem bewusst, wie viel man eigentlich besitzt.
Dabei geht es nicht darum, jemanden zu bewerten. Jede Familie lebt anders. Mit Kindern kommen automatisch viele Dinge dazu – Kleidung in verschiedenen Größen, Spielzeug, Bücher, Fahrzeuge und vieles mehr. Jeder Lebensweg sieht anders aus.
Mich hat der Tag trotzdem zum Nachdenken gebracht.
Jeder Gegenstand bedeutet Aufwand
Im Alltag fällt das kaum auf. Ein Regal steht an seinem Platz, der Schrank ist eingeräumt und die Kisten im Keller geraten irgendwann in Vergessenheit.
Bei einem Umzug ist das anders.
Plötzlich muss jeder einzelne Gegenstand eingepackt, getragen, verladen, transportiert und wieder ausgepackt werden.
Aus einem einzelnen Gegenstand wird Gewicht.
Aus vielen Gegenständen werden Stunden körperlicher Arbeit.
Der wahre Preis von Besitz
Während des Umzugs musste ich auch daran denken, wie oft wir Dinge aufheben, weil wir sie "noch verkaufen" möchten.
Natürlich gibt es Gegenstände, bei denen sich das lohnt. Gerade hochwertige Möbel oder Technik können einen guten Erlös bringen.
Aber manchmal frage ich mich, ob wir dabei nicht nur den möglichen Verkaufspreis betrachten.
Denn jeder Gegenstand kostet auch Zeit.
Er muss transportiert werden. Er braucht Platz in der neuen Wohnung. Er muss fotografiert, online gestellt und später an einen Käufer übergeben werden.
Manchmal ist die eigene Zeit wertvoller als der Erlös.
Das bedeutet nicht, dass Spenden grundsätzlich besser ist als Verkaufen. Es bedeutet nur, dass sich diese Frage lohnt:
Ist der Gegenstand den gesamten Aufwand wirklich noch wert?
Weniger Besitz bedeutet nicht Verzicht
Beim Umzug habe ich automatisch über unsere eigene Wohnung nachgedacht.
Natürlich kann ich unseren Haushalt nicht mit einer vierköpfigen Familie vergleichen. Trotzdem wurde mir bewusst, dass ein eigener Umzug vermutlich deutlich entspannter wäre.
Nicht, weil wir minimalistischer leben möchten.
Sondern weil wir in den letzten Jahren bewusster entschieden haben, was überhaupt bei uns einziehen darf.
Jeder Gegenstand, der nicht gekauft wird, muss später auch nicht aufgeräumt, gepflegt, transportiert oder irgendwann wieder aussortiert werden.
Ordnung beginnt früher
Viele verbinden Ordnung mit Aufräumen oder Ausmisten.
Ich glaube inzwischen, dass Ordnung viel früher beginnt.
Nämlich bei der Entscheidung, was überhaupt einen Platz in unserem Zuhause bekommen soll.
Denn jeder Gegenstand, den wir besitzen, begleitet uns oft über viele Jahre – und manchmal sogar bis zum nächsten Umzug.
Deshalb ist die Frage nicht nur:
"Wo räume ich das hin?"
Sondern auch:
"Möchte ich diesen Gegenstand in ein paar Jahren wirklich noch einmal durch ein Treppenhaus tragen?"
Vielleicht klingt diese Frage im ersten Moment ungewöhnlich.
Nach einem Umzug fühlt sie sich plötzlich ganz real an.
Wie war dein letzter Umzug?
